Er nennt sich ein „Freund des Volkes“. Auffällt der „Trierische Volksfreund“ jedoch durch eine Sichtweise auf Luxemburger Verhältnisse, die sich auf dümmstem Niveau der womöglich bei vielen uninformierten Deutschen verbreiteten Vorurteile sowie dem in deutschen Medien (wie etwa der BILD-Zeitung ["HarzIV-Betrüger. Luxus-Leben auf Teneriffa". BILD 30.8.2008] grassierendem Sozialneid bewegen.
Offenkundig wurde diese ideologisch verstellte Sicht etwa durch die tolle Schlagzeile Anfang des Jahres, dass Luxemburg Millionen Euros an Kinderbonus an die Grenzgänger verteile. Dass der Kinderbonus nichts anderes ist als der bar ausgezahlte Kinderfreibetrag, also dass den Beschäftigten aus der linken Tasche herausgeholt wird, was in die andere gesteckt werden soll, fiel dem „Volksfreund“ bei dieser Sensationsmeldung leider unter den Tisch.
Wie L’Essentiel heute meldet, ist bis heute bei manchen Grenzgängern dieser Kinderbonus bis heute nicht auf dem Konto angekommen – obwohl ihnen seit 1.1. dieses Jahres der Kinderfreibetrag bei dem Lohnsteuerabzugsverfahren nicht mehr berücksichtigt wird! So die Ideologie, aber so die Realität!
Am vergangenen Wochenende hat nun Bernd Wientjes entdeckt: „Im Ländchen geht die Angst um“, nämlich die Angst vor der Inflation.
„Das ohnehin schon höhere Lohn- und Gehaltsniveau wird durch die zunehmend in die Kritik geratene Anpassung an die Preisentwicklung (Indexerhöhung) weiter nach oben getrieben.“
Der Grenzgänger reibt sich die Augen und wundert sich. Von welchem Luxemburg mag hier wohl die Rede sein?!
Die Indexerhöhung, die im Juni 2008 fällig wäre, ist erst zum März 2009 geplant. Die Luxemburger Regierung hat unverkennbar die Absicht, die durch die Inflation notwendig gewordenen Gehaltssteigerungen auszusetzen bzw. ersatzlos zu streichen.
Luxemburgs Beschäftigte haben in der letzten Zeit eine Reallohnsenkung hinnehmen müssen; freilich nicht in dem Maße, wie sie Deutschland aufgrund seines staatlich verordneten Ausweitung seines Niedrigstlohnsektors erlitten hat.
Angeblich stört Luxemburgs Beschäftigte diese „staatlich verordnete Gehaltserhöhung um 2,5%“ ganz gewaltig. Oder ob sich der Herr Redakteur da nicht gehörig vertan hat?! Mit wem er darüber wohl gesprochen haben wird?
Vermutlich zöge er es vor, dass Luxemburgs Beschäftigte anständige Streiks hinlegten wie deutsche Gewerkschafler bei der Bahn AG und bei der Lufthansa. Damit auch die Luxemburger Unternehmensleitungen einsehen lernen, was sie an kampfstarken Gewerkschaften haben.
Bernd Wientjes, „Im Ländchen geht die Angst um“, TV 30./31. August 2008, S. 6
Wer arbeitet, soll die Zeche zahlen!
Montag, 1. September 2008
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